Der Gefangene der Achterbahn

Langsam geht es nun nach oben
Werde dort hinaufgeschoben
In dem kleinen, off’nen Wagen
Den die Schienen voran tragen
Und ganz oben stoppt er nur für kurze Zeit
Vor mir gähnt der Abgrund offen
Und ich darf nicht einmal hoffen
Weiß genau, was mich erwarte
Wenn die Abfahrt erstmal startet
Komm, du Schicksal, noch einmal, ich bin bereit
Und da geht es schon hinunter
Kann nichts machen, nur da sitzen
Nur wer neu ist, schreit noch munter
Doch mich wird’s nicht mehr erhitzen
Bin schon viel zu oft gefahren
Festgehalten von dem Bügel
Über eins bin ich im Klaren:
Irgendwer kriegt nachher Prügel
Erscheint euch dies auch krank und wie der blanke Wahn
Schon lang bin ich Gefangener der Achterbahn

Und wir fahren durch die Kehren
Ich gab’s auf, mich zu beschweren
Welchen Sinn hat es zu motzen
Ich kann nicht einmal mehr kotzen
Habe, was im Magen war, schon längst verteilt
Stundenlang dieselbe Strecke
Hab gewünscht, daß ich verrecke
Würde gern bewußtlos werden
Doch auch das ist richtig schwer, denn
Längst hat mich die pure Agonie ereilt
Wenn die Techniker, die blöden
’nen Weg fänden, von der öden
Rundfahrt mich doch zu erlösen
Doch die machen nichts und dösen
Weiter geht’s durch Tal und Hügel
Dieser gottverdammte Bügel
Nehmt die Flex oder die Säge
Und befreit mich, sonst gibt’s Schläge
Bin ich erst frei, komm ich zurück mit einem Kran
Schon lang bin ich Gefangener der Achterbahn

Ende

Furcht erfüllt mich
Meine Haut voll Gänsepocken
Und mein Mund von innen trocken

Es umhüllt mich
Ohne einen Weg zu lassen
Nicht zu sehen, nicht zu fassen

Nicht zu finden
Fern von Heil und Gottes Segen
Kann nicht fliehen, mich nicht regen

Und es schwinden
Mir die Kräfte, und ich stehe
Jetzt am Ende, und vergehe.

Kein Schneegedicht

Warum sollt‘ ein Schneegedicht ich schreiben?
Alle Bilder, alle Worte
Die den Schnee beschreiben können
Sind verbraucht an andrem Orte
Gar nichts wollten sie mir gönnen
Keine neuen Einfälle verbleiben

Warum sollte über Schnee ich dichten?
Viele andre Dichter gaben
Schon dem Fall der weißen Flocken
Form in Worten ganz erhaben
Oder aber knochentrocken
Wo sollt‘ ich da noch was neues sichten?

Wasser

Wassertropfen, kleiner, runder
Der hier noch alleine geht
Tropfen, sammelt euch, ihr kleinen
glänzenden, ihr feuchten, feinen
Tropfen, auf daß mir entsteht
Aus dem Wasser ein gesunder
Trunk, der für mein Wohlbefinden
Seine Wirkung zeigen kann
Wenn der Trunk, der kühle, gute
Mich erfüllt mit frischem Mute
Angenehmes kann ich dann
Mit dem nützlichen verbinden.

Sicker Grube

Vor den müden, schweren Augen
Streckt sich aus das Leid der Welt
Groß in seiner ganzen Stärke
Und will mich auslaugen

Während manch zaghafter Blick
Noch auf all das Schöne fällt
Hat das Böse seine Werke
Schon vollbracht und kehrt zurück

Herrschaft sucht es, und es findet
Die, die sich beherrschen lassen
Und ihm ihren Glauben schenken
Wenn es Licht und Nacht verbindet

Vor den müden, schweren Augen
Ist es da, doch nicht zu fassen
Und es schleicht sich in mein Denken
Und ich wende mich ab.

Impressionen einer seelenlosen Stadt

Düsternis schaue ich
Und dann schält sich aus dem Grau
Eine Ansammlung von Beton
Und ich traue mich
Trete hinaus zur Steinbeschau
This decision was wrong

Häuser zur rechten und zur linken
Eine Straße voller Verkehr
Und da quer noch eine
Ich könnte im Grau versinken
Ein, zwei Buden laden zum Verzehr
Von Würsten ein, aber ich will doch keine

Eine graue Stadt
Wer will denn hier leben?
Doch gar nicht mal so wenige
Naja, Grau gibts hier satt
Und es soll Leute geben
Dies es mögen, die Rattenkönige

Die Innenstadt ist in zwei Minuten durchquert
Eine enge Fußgängerzone
Daneben die Straße, laut und breit
Und der ästhetische Wert
Ist auch nicht ohne
Kein Geschmack weit und breit

Viel zu lange bin ich hier
Sitze und warte auf den Zug
Nach Hause
Ich hol mir gleich mal ein Bier
An Ruhe habe ich genug
Auf zur großen Sause

Noch fünfundzwanzig Minuten
Blöder Ort
Viel zu grau und öde
Wie kann man mir das zumuten
Ich will fort
Es ist so blöde

Es dauert nur noch ein Stück
Dann kommt hier die Wende
Ich habe Glück
Das Warten ist bald zu Ende
Und nie mehr kehr ich zurück
Nach Osnabrück

Todesfeld

Ich ging in die Hölle, ich zog in die Schlacht
Ich dachte, ich könnte etwas bewegen
Und als es vorbei war, stand ich im Regen
Und hatte vor Angst in die Hosen gemacht

Der Donner verklungen, das Todesfeld still
Die Krähen pickten das But von den Leichen
Ich setzte mich nieder bei drei alten Eichen
Ich schaute und sah, was kein Mensch sehen will

Denn außer den Krähen hat sich nichts mehr geregt
Starr glotzen die Augen der toten Soldaten
Und manch einer, der hatte Heldentaten
Tun wollen, lag stumm und hatte gar nichts bewegt

Ich blickte weit über das Trümmerfeld
Wo Freund und Feind nun im Tod vereint lagen
Welche Seite hatte hier welche geschlagen?
Ich weinte und verfluchte diese grausame Welt.