Fastenzeit ohne Smartphone – Zwischenstand 1

Karneval ist vorbei, die Fastenzeit hat begonnen. Ich habe drei Dinge ausgewählt, auf die ich verzichte, aber das mit den größten Auswirkungen auf mein Leben dürfte das Smartphone sein. Ich habe mein Galaxy jetzt seit fast zweieinhalb Jahren, und ich habe festgestellt, dass ich mich immer mehr darauf verlasse, immer online sein zu können. Sei es bei Radtouren oder in fremden Städten, wenn mir die Karte gerade nicht weiterhilft; sei es unterwegs im Zug, wo das Handy eine schnelle Möglichkeit der Unterhaltung bietet (meistens TVTropes, ohnehin ein Zeitfresser sondergleichen); sei es zuhause auf der Couch, wobei das dank des neuen Laptops (der auch als Tablet fungiert) schon besser geworden ist; sei es im Supermarkt, wenn ich das Handy zum schnellen Preisvergleich nutzen kann.

Ich habe aber auch festgestellt, dass ich das Gerät zu viel benutze. Praktisch auf jeder Bus- oder Zugfahrt surfe ich ein bisschen; alles, was ich eben genannt habe, findet irgendwie dauernd statt. Und daher habe ich schon seit einer Weile den Plan, eine Weile ohne auszukommen, und die Fastenzeit ist der ideale Zeitraum dafür. Am Dienstagabend habe ich also das Smartphone ein letztes Mal mit dem PC synchronisiert (Kontakte und Terminkalender habe ich da ja auch drin), es abgeschaltet und mit dem Ladegerät in die Schublade gepackt.

Es sind jetzt drei Tage, und ich habe schon  gemerkt, wie sehr ich mich sonst auf manche Dinge verlasse. Am ersten Tag war es noch so, als hätte ich das Gerät einfach vergessen; mittlerweile ist es schon etwas anders. Ich habe jetzt angefangen, mir morgens ein Buch einzupacken für die Zugfahrt. Was mir allerdings wirklich fehlt, ist gar nicht die Möglichkeit, unterwegs im Internet zu surfen und TVTropes zu lesen – mir fehlt schlimmerweise eher Facebook. Ich habe mich ja mit dem Smartphone auch von unterwegs bei Facebook eingeloggt, vor allem zum Lesen, und jetzt stelle ich immer wieder fest, dass ich reflexartig am PC die Maus zur Lesezeichenleiste fahre. Den FB-Link habe ich entfernt, und die Seite blockiert, um mich selbst zu überlisten – aber ich finde es erschreckend, wie sehr meine Gewohnheiten von diesem blauen netzwerk bestimmt sind. Meine erste Lektion nach nur drei Tagen: Ich sollte Facebook allgemein reduzieren. Vielleicht sogar ganz abschalten? Aber viele Diskussionen finden heute dort statt, und nirgendwo anders. ich werde das mal im Auge behalten.

Die zweite Sache, die mir fehlt, ist das Hören von Musik und Hörbüchern unterwegs. Gerade die Hörbücher habe ich sehr genossen – ich höre meist lange Bücher, geschichtliche Sachbücher, gern auf Englisch, die dann 30 oder 40 Stunden lang sind und einen lange beschäftigen. Und die hatte ich eben auch auf dem Smartphone, so dass das jetzt wegfällt. Ich könnte jetzt sagen, ich höre jetzt mehr auf die Umwelt, stimmt aber nicht – ich nehme die Umwelt mehr wahr, aber so richtig interessiert sie mich noch nicht. Noch etwas, was ich beobachten werde. Ich könnte auch meinen alten MP3-Player ausbuddeln, aber der ist so unpraktisch zu bedienen, und ich werde mir jetzt keinen neuen anschaffen.

Ich werde das Leben ohne Smartphone vermutlich auch mal Englischunttericht thematisieren. Moderne Kommunikation ist gerade unser Thema, und die Schüler, die mein Fasten mitbekommen haben, sind durch die Bank der Meinung, dass sie nie sechs Wochen auf ihr Smartphone verzichten könnten. Wobei ich vermute, dass sie ihre Geräte auch intensiver nutzen als ich (und da ich sleber schon das Gefühl habe, zuviel damit rumzuspielen, dürfte das bei den Schülern eine Menge sein).

Nun, ich denke, das reicht für den Moment – der Text ist auch schon lang genug. Übrigens, liebe Facebook-Freunde: Wenn ihr hier etwas kommentieren wollt, macht es bitte direkt hier im Blog, dann kann ich es auch lesen und gegebenenfalls antworten – auf Facebook bekomme ich im Moment natürlich nichts mit.

Und jetzt freue ich mich aufs Wochenende: heute Chorprobe, danach Ruhe. Hoffentlich kommt die Sonne nochmal raus.

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