Naturmensch II

Hast Du die Wirklichkeit darin erkannt
Und das Bild im Gedächtnis ganz tief eingebrannt?
Dieses Bild der Natur, dieser großen und wilden
Deren Drang es stets ist, alles neu umzubilden
Ein Bild zu verwerfen, ein neues zu schaffen
So wie ein Krieg mit vernichtenden Waffen
Und wir sind ein Teil einer kleinen Armee
Wie ein Tropfen nur in der tosenden See
Der Mensch ist ein Nichts in der großen Natur
Und auf Dauer verschwinden wir ganz ohne Spur
Und so ist es eben, die Wirklichkeit ist,
Daß die große Natur uns viel schneller vergisst
Als die Berge, die hohen
Als Wolkengestalten
Als feurige Lohen
Als große Gewalten
Als Stürme und Winde
Und uralte Bäume
Die unter der Rinde
Die ewigen Träume
Des Lebens bewahren
Die wir nie erfahren
Zu wenig an Jahren
Um nur einen klaren
Gedanken zu fassen
Uns leiten zu lassen
Und so bleibt in unserem menschlichen Leben
Die Wichtigkeit nur, die einander wir geben
Und das macht den Menschen aus.
Aus!

Naturmensch

Hast Du die Sonne gesehn?
Hast Du den Regen gespürt und den Schnee
An der Nase Dich kitzeln lassen?
Hast Du die Flüsse gesehn,
Reißende Ströme, die wogende See,
Deren Wasser die Welt umfassen?

Hast Du die Wälder gesehn?
Hast Du das Rauschen der Blätter gehört
Und den wispernden Wind in den Zweigen?
Hast Du die Wüsten gesehn,
Wo schon seit Urzeiten niemand gestört
Die Sandkörner in ihrem Reigen?

Hast Du die Wiesen gesehn?
Hast Du gerochen den lockenden Duft,
Der freudig die Luft erfüllet?
Hast Du den Nebel gesehn,
Der in grünen Auen durchwabert die Luft
Und manch Ungesehnes verhüllet?

Hast Du die Wolken gesehn,
Sommertagsweiß oder regennaßgrau
Und in den unglaublichsten Formen?
Hast Du den Himmel gesehn,
Der die Welt überspannt mit dem leuchtenden Blau,
Jenem vollen Blau, jenem enormen?

Anwesend, gewissermaßen

Längst versunken ist im Westen
Flammend rot der Sonnenball
Hat mit seinem letzten Strahl
Die Werseaue noch erwärmt
Von der der Dichter immer schwärmt
Sucht er in all der großen Fülle
Von Themen denn eine Idylle
So findet er sie hier am besten

Dunkel ist es draußen schon
Nur die Lampe an der Decke
Leuchtet mir noch zu dem Zwecke
Daß ich hier Gedichte schreibe
Der ich Dichter bin und bleibe
Und in jedem neuen Satz
Findet neu er seinen Platz
Der Reim ist meine Passion

In dem warmen gelben Licht
Das die Lampe dort mir spendet
Hier beginnet und hier endet
Manche Zeile, manch Gedanke
Überspringt des Geistes Schranke
Nimmt den Weg in manche Verse
Ja, hier draußen an der Werse
Findet sich manch ein Gedicht

Leider habe ich zuletzt
In den Tagen an der Werse
Viel zu wenige der Verse
Die ich schreiben wollt‘, gedichtet
Nicht auf mich war ausgerichtet
Wohl der Musen Augenmerk
Haben für ein andres Werk
Ihr Wohlwollen eingesetzt.

Nachher

Nach einem oder mehr Bier
Kommt es schon mal vor
Daß so mancher hier
Im Suff – der arme Tor –
Dinge tut, die im Allgemeinen
Nicht so angesehen sind
Im Großen und im Kleinen
Aber wen interessiert das?

Naja, am nächsten Tag
Kommt ein fleißiger Bundesbruder
Der eigentlich wohl putzen mag
Aber sieht, daß Schindluder
Getrieben wird im kühlen Keller
Wo wir fröhlich gewesen sind
Mancher trank langsamer, mancher schneller
Was tun, frage ich Dich, was?

Wenn das Chaos Einzug hält
Wenn das Bier zum Vergessen dient
Zum Vergessen der Scheiß Weit
Wenn dir der Teufel entgegen grient
Wenn du allerlei Sachen siehst
Die so gar nicht existieren
Wenn du mit der Gabel Monster aufspießt
Dann weißt du, es war zuviel

Verliere nie den Glauben
An dich und was du kannst
An der Kanne. Idioten! Schrauben
Sich Bier nach Bier in den fetten Wanst
Und halten sich für toll
Schließlich sind sie dicht und stieren
Vor sich hin. Sie sind breit, voll,
Erledigt, vorbei ist das Spiel

Einige schwankende Gestalten
Verlassen das gastliche Haus
Beugten sich den Gewalten
Die der Bierkonsum treibt heraus
Und so, und so, und so
Schaffen sie es eventuell
Und sind am Ende froh
Es geschafft zu haben

Immer nur saufen haben sie im Kopf
Studenten wohl, korporiert wahrscheinlich
Und ihren geschniegelten Schopf
Pflegen sie gern peinlich
Genau. Scheiß drauf, Freund!
Dafür sind wir individuell
Ist sowieso mehr wert. Meint
Ihr nicht? Gut, sollt’s eure Meinung haben

Will’s euch lassen
Das Revier
In den Gassen
Doch nicht hier
Denn im Keller
Gibt es Bier
Trinkt ihr schneller?
Dann bleibt hier!
Bleibt hier, ihr Banausen
Hier wollen wir hausen
Der Freude zur Stärkung, dem Kummer zum Trost
Na denn Prost!

Sonnet No. IV

It was a revelation to my mind
Your being close to me, your being there
You proved to be both beautiful and kind
So full of joy, of goodness, and of care

What human eye as beauty can behold
I see in you. That night was truly grand
I found myself bewitched, I took your hand
Was bound by face of honey, hair of gold

I did not want to part from you that night
I had to leave, and could not stay with you
I feel I’m in the dark, and you’re the light
I’m longing for, and will you let me, too?

These words are humble, but from truest mind:
When I left you, I left my heart behind.

Sturm im Tintenfass

Worte raufen sich zusammen
Worte formen einen Satz
Die zuvor alleine schwammen
In dem Meer, in diesem Schatz
Den die Sprache uns bereitet
Doch der Dichter zögert nicht
Auf den Wellen hoch zu reiten
Formt aus Worten ein Gedicht

Sturmwind wühlt sie auf, die Wellen
Sturmwind der Gedankenwelt
Doch auf dieses Stromes Schnellen
Ist’s der Dichter, der nicht fällt
Hält sich oben, stark und mutig
Mit dem Stift in seiner Hand
Schreibt er sich die Finger blutig
Und erreicht das sichre Land

Der erste Schnee

Der erste Schnee ist gefallen
Ein paar einsame Flocken
So wenige, so einsam
Daß sie, kaum daß sie den Boden erreichten
Vor lauter Elend verschwanden

Der erste Schnee läßt mich träumen
Von weißer Weihnacht und Wintern
Wie sie einst waren
In denen die Menschen nachts ums Feuer hockten
Und sich Geschichten erzählten

Wir sitzen in warmen Räumen
Mit warmen Gesichtern und Hintern
Und die wahren
Winter kennen wir nicht, und so stockten
Die Gesänge, die wohlgewählten

Und so will ich allen
Wünschen, daß sie trocken
Und warm, und gemeinsam
Mit Familie und Freunden den leichten
Wintereinbruch überstanden

Der Bund von Meer und Land (longplay)

Die Wellen peitschen auf den Strand
Der Bund von Meer und Land

Das Land ist fruchtbar, es ist reich
Und grün und voll mit Kühen
Die tapfren Menschen hinterm Deich
Sie trotzten es mit Mühen
Dem Meere ab vor langer Zeit
Stolz mischt sich mit Bescheidenheit
Die Wellen peitschen auf den Strand
Der Bund von Meer und Land

Der Deich, er zieht sich hoch und lang
Entlang der ganzen Küste
Und manchmal ist den Menschen bang
Ach, wenn man doch nur wüßte
Wann wohl die nächste Sturmflut kommt
Doch wenn sie da ist, handelt prompt!
Die Wellen peitschen auf den Strand
Der Bund von Meer und Land

Ja, wenn das Meer den Deich umspült
Mit seiner ganzen Stärke
Man das Verderben kommen fühlt
So gehet rasch zu Werke
Da heißt es schuften, packt mit an
Ob alt, ob jung, ob Frau, ob Mann
Die Wellen peitschen auf den Strand
Der Bund von Meer und Land

Die Schafe weiden hinterm Deich
Auf diesem neuen Grunde
Sind eigen Meer und Land zugleich
Und blöken frohe Kunde
Da Gras ist frisch, das Gras ist grün
Wohlgetan ward’s von Menschen kühn
Die Wellen peitschen auf den Strand
Der Bund von Meer und Land

Die Muschel liegt vor mir im Sand
Die Hülle nur, die kahle
Ich nehme sie in meine Hand
Spür nun die rauhe Schale
Im Watt gelebt, vom Meer geformt
Und nie durch Menschenhand genormt
Die Wellen peitschen auf den Strand
Der Bund von Meer und Land

Am Fuß des Deiches stehe ich
Der Meeresgrund scheint trocken
Das Wasser fort, doch mag es mich
In eine Falle locken
Es ist gewichen nur ein Stück
Es nimmt das Watt und kehrt zurück
Die Wellen peitschen auf den Strand
Der Bund von Meer und Land

Kind sein

Einmal wieder Kind sein
Lachend und kreischend
Durch die Straßen laufen
Und nach Liebe heischend
Im Glück ersaufen

Frei so wie der Wind sein
Mit leuchtenden Augen
Die Welt entdecken
Neues Wissen aufsaugen
Das Abenteuer schmecken

Ohne viele Pflichten
Das Leben erlernen
In die Höhe wachsen
Der Griff zu den Sternen
Und doch nichts als Faxen

Alles nur Geschichten
Doch hier auf Erden
Ist alles sonnenklar
Und für Kinder werden
Auch mal Märchen wahr

Spät ist

Spät ist der Dichter schon
Nahe des Flusses gegangen
Während der pure Hohn
Der von manchem gefangen
Ihn verlachte

Mondlicht am Horizont
Bleiche Gesichter prangen
Haben es nie gekonnt
Fallengelassenes Bangen
Ganz sachte

Grau schmeckt der Tag im Hort
Dämme gebrochen, geflutet
Ort Zeit und Raum ein Wort
Und wenn er sich mal sputet
Im Regen

Fühlen in niemandes Welt
Gelenkiger Hauch in den Auen
Niemals und immer verstellt
Kurz will die Sonne schauen
Entgegen